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Die Geschichte des Slacklinens

Die Slackline ist ein dehnbares Schlauchband. Der Begriff stammt aus dem Englischen wobei "slack" mit schlaff- oder schlappgespannt und "line" mit Leine oder Band übersetzt wird. Die Slackline ist also ein schlaff gespanntes Band auf welchem man balanciert, läuft oder springt. So schlaff ist die Slackline dann aber auch wieder nicht.

Der Vergleich leitet sich vom Seiltanz her, wo ein Drahtleil (Stahlseil) verwendet wird. Die Vorstellung auf einem schmalen Band zu stehen, gehen oder zu springen zieht die Betrachter in ihren Bann. Der größte Unterschied zum klassischen Seiltanzen ist die Spannung einer Slackline – sie ist so gering, dass sich das Band leicht zur Seite schaukeln lässt. Dadurch werden sehr hohe Anforderungen an die koordinativen Fähigkeiten gestellt, was bereits vor einigen Jahren Skirennläufer (z.B. Ingemar Stenmark oder Bode Miller) für sich als Training entdeckt haben und in neuerer Zeit auch in der Physiotherapie Anwendung finden.

Eine moderne Slackline besteht aus 2 Elementen. Dem Spannset und der eigentlichen Line. Die Slackline verbindet zwei feste Elemente wie z.B. Bäume und wird mit dem Spannset gespannt - bis Sie begehbar ist. Die Line ist elastisch und federt und schwingt. Dadurch kann man nebst dem einfachen Laufen auch darauf jumpen. Von der Schraube bis zum Rückwärtssalto ist alles möglich. Die Slackline wir meist in den Längen 10m, 15m oder 25m angeboten. Bei Wettbewerben und Rekordversuchen kommen aber auch wesentlich längere Lines zum Einsatz. In der Breite variieren die Bänder von 20, 30 und 50mm. Bei der normalen Anwendung wird die Slackline in einer Höhe von 50 – 100 cm ab Boden gespannt.

Die breite Beachtung in den Medien und die Berichterstattungen der verschiedensten Fernsehstationen haben in den Jahren 2007 und 2008 das Slacklining in Europa zur Trendsportart werden lassen. Eine Welle der Begeisterung ist vor allem im Jahre 2008 auch in die Schweiz übergeschwappt. Der Höhepunkt ist aber in der Schweiz noch nicht erreicht und beispielsweise im Vergleich zu Deutschland der breiten Masse noch relativ unbekannt. Die Folgenden Gruppierungen sind auszumachen:

 

Der klassische Slackliner

Er läuft und schwingt und balanciert auf der Slackline. Er versucht verschiedene Combos (Ablauffolgen) einzuhalten. Sein Bestreben ist es, eine gute Figur auf der Line abzugeben oder immer weitere Distanzen hinter sich zu lassen (Longlines). Dabei werden auch Waterlines (über fliessendes Wasser) oder Sealines (See) gespannt. Vom Alter her ist der klassische Slackliner in allen Altersklassen vertreten.

Der Slackjumper

Sein grösstes Vergnügen ist es, die Line in Schwingung zu versetzen um auf dieser in allen Variationen zu jumpen. Vom 180 bis zum 360, Backflip und Frontflip auf und von der Line, über Mehrfachjumps und Linewechseln ist alles möglich und wurde auch schon geslackt. Altersgruppe eher jünger (10 –35 Jahre)

Der ursprüngliche Slacker

Er kommt immer noch aus dem Bergsport und seine Leidenschaft sind die Highlines, welche in berauschender Höhe und mittels speziellem Equipment und enormem Aufwand bezüglich Sicherheit installiert werden. Das Highlining ist die Königsdisziplin im Slacklinen. Als moderner Trendsport tritt er jedoch zunehmend in den Hintergrund und wird vom Slackjumper und Skater verdrängt.

Der Skater

Er nützt die Line als Verlängerung, wo Strassengeländer fehlen oder abmontiert wurden, um sich im urbanen Grosstadtdschungel zu bewegen und um auf der Line zu grinden. Altersmässig bewegt er sich eher in einem jüngeren Segment (10 – 28 Jahre alt)

 

 

Geschichte

Die Geschichte des Slacklining beginnt in den 70er Jahren und Ihre Wurzeln gründen im Bergsport. Genauer gesagt im Klettersport. So wurde damals die junge Sportart Slacklining zur Freizeitbeschäftigung vieler Kletterer im Yosemite-Nationalpark (Kalifornien). Der junge Scott Balcom greift die Idee des Balancierens auf Seilen auf und arbeitet wie kein anderer ständig an der Verbesserung seiner eigenen Fähigkeiten.
Das Balancieren auf lose (engl. „slack“) gespannten Seilen und auch Ketten etablierte sich folglich schnell bei den damals im Camp IV ansässigen Kletterern. Das Zusammenspiel von Balance, Konzentration und Koordination stellte den idealen Ausgleich zur tagelangen Schinderei beim Bigwallklettern dar.


Mit der Weiterentwicklung des Bergsportmaterials Mitte der 80er und dem Aufkommen der ersten Schlauchbänder entwickelte sich auch das Slacklining weiter. Plötzlich war es möglich ein Band in großer Höhe zu spannen und daran gesichert auch darauf zu laufen – diese Idee gipfelte in der Erstbegehung der Lost Arrow Spire Highline am 15. Juli 1985 durch Scott Balcom. Dabei wurde eine Slackline zwischen einer Felswand und eine vorgelagerten Felsnadel in mehreren hundert Metern Höhe gespannt.

Die Ursprünge der Slackline müssen also neidlos den Amerikanern zuerkannt werden. Vom Yosemite-Nationalpark aus verbreitete sich das Slacklinen um den Jahrtausendwechsel auch in andere Klettergebiete. In den folgenden Jahren wächst die Gemeinde der Slackliner über den Kreis der Kletterer hinaus: Fotoaufnahmen von Dean Potter bei der Begehung Lost Arrow Spire Highline sowie die Entwicklung des ersten kommerziell erhältlichen Slacklinesets in Zusammenarbeit mit der Firma Mountain Equipment tragen das Slacklinefieber in die Welt.


Dean Potter

 

In Europa gilt der Fotograf und Extremkletterer Heinz Zak als Pionier des Slacklinens, welcher massgeblich zur Entwicklung der europäischen Slackline-Szene beigetragen hat. Hier sein Bericht über die Anfangszeiten des Slacklining:


Heinz Zak ist ein Slackliner der ersten Stunde. Er zählt zu den bekanntesten Freikletterern Österreichs. Seine Fähigkeiten als Fotograf bewies er mit seinem preisgekrönten Buch "high life". In der Folge erschienen weitere Bücher und Kalender, heute gehört Heinz Zak zu den besten Bergfotografen der Welt.

„...Jahre später hörten wir das Gerücht, dass jemand diese Schlucht auf einem Seil balancierend überquert hätte... niemals! Ja, es hatte immer Seilkünstler gegeben im Camp 4 des Yosemite Valley. Auf Ketten und kurzen Seilstücken haben wir sie gesehen und ihr Talent bewundert. Aber es war hier genauso wie beim Klettern – wir wurden eher als Eindringlinge gesehen und der Erfahrungsaustausch, der uns brennend interessiert hätte, war gleich Null. Uns blieb nur das Staunen und das mühsame Selbstlernen, was mir sehr viel Spaß machte. Seit 1979 balancierte ich dann regelmäßig auf Ketten und kurzen, 5-6 Meter langen Seilen. 1985 sahen wir die Slackline Legende „Chongo“ auf einem 20 Meter Nylonband durch die Luft schweben, aber das war so abartig abgefahren, dass wir nicht einmal einen Versuch unternahmen, das Wesen der lockeren(= Slack) Leine (Line) zu ergründen. Erst 10 Jahre später tauchten vermehrt Leinen im Camp 4 auf. Die Leinen am Rand des Camp 4 waren kürzer und fester gespannt, waren auf einmal Spielplatz für die Kletterer. Regelmäßig traf man sich, hatte Spaß miteinander, half sich gegenseitig mit wichtigen Tipps. Jeder versuchte, die Leine für sich zu entdecken. Nach den ersten Schritten probierte man eine Drehung, dann etwas anderes. Bis heute gibt es bei jeder Slackline Session Herausforderungen ohne Ende – das Spiel mit dem Gleichgewicht ist endlos...“


Der legendäre Chongo ist heute 54 Jahre alt